Reden kann retten

zwei Freunde reden

Was sind häufige Warnzeichen?

Die meisten Menschen, die sich das Leben nehmen oder einen Suizidversuch machen, möchten nicht sterben. Sie können nicht mehr so weiterleben wie bisher und wollen ihre unerträglichen seelischen Schmerzen loswerden. Wenn sie sich in einer akuten Krise befinden, sehen sie keine andere Lösung als Suizid. Es ist daher wichtig, Warnzeichen früh zu erkennen und darauf zu reagieren. 

Warnzeichen sind häufig vorhanden, aber nicht immer offensichtlich

Die meisten Menschen senden vor einem Suizidversuch Zeichen aus. Es gibt allerdings – gerade auch im Teenageralter (siehe unten) – sogenannte «Kurzschlusssuizide», welche für Aussenstehende sehr schwierig zu erahnen sind, da sie ohne vorgängige Warnzeichen vollzogen werden. Und es gibt Menschen, die ihre eigene Befindlichkeit gegen aussen verbergen. Vertrauen Sie deshalb auf Ihr Gefühl. 

Nehmen Sie folgende Zeichen ernst:

Beachten Sie bitte, dass ein Merkmal alleine noch kein Hinweis auf Suizidabsichten sein muss. Je mehr solche Signale erkennbar sind, desto wichtiger ist es, die betroffene Person anzusprechen und professionelle Hilfe beizuziehen.  

  • Über Suizid sprechen/Todeswunsch äussern
    Typische Sätze sind: «Ich wäre besser nie geboren.», «Ohne mich wärt ihr alle besser dran.», «Falls wir uns nochmals sehen ...», «Ich wünschte, ich wäre nicht mehr da.», «So kann ich nicht mehr leben.». Es stimmt nicht, dass Menschen, die über Suizid sprechen, sich nichts antun. Im Gegenteil; es handelt sich dabei oft um einen Hilferuf. Nicht immer steht hinter diesen Sätzen eine Suizidabsicht. Sie sind aber deutliche Hinweise, dass irgend etwas nicht im Gleichgewicht ist.
  • Rückzug von Freunden und gewohnten Aktivitäten
    Dinge, die bisher wichtig waren, nicht mehr beachten. Den Kontakt zu Freunden und Bekannten vernachlässigen. Körperkontakt ausweichen. Menschen in einer suizidalen Krise fühlen sich häufig alleine und isoliert. Sätze wie «Ich bin für niemanden wichtig.», «Keiner interessiert sich für mich.», können Ausdruck davon sein.
  • Aufräumen, Verschenken von Dingen
    Testament aufsetzen, Familienangelegenheiten klären, persönliche Gegenstände weggeben/verschenken.
  • Abschied nehmen 
    Unerwartete Besuche oder Anrufe verbunden mit Äusserungen, die darauf hindeuten, dass man sich vielleicht nicht mehr wiedersieht. Abschiedsbriefe verfassen.
  • Beschäftigung mit dem Thema Tod und Sterben
    Gedichte oder Texte schreiben, Bilder malen, Bücher und Webseiten lesen. Musik zum Thema hören.
  • Nach Sterbemethoden und -mitteln suchen 
    Beschäftigung mit Fragen wie: «Welches sind sichere Suizidmethoden?», «Welches sind schmerzlose Selbstmordvarianten?», «Wie komme ich an Mitteln heran, um mich selbst zu töten?»
  • Hoffnungslosigkeit 
    Sätze wie: «Das wird nie mehr gut.», «Das ändert sich sowieso nicht.», «Ich lerne das nie.», «Ich werde das nie können.», «Da kann man einfach nichts machen.»
  • Grosse Selbstkritik, geringe Selbstachtung, starke Kränkung
    Suizidale Menschen empfinden sich oft als wert- oder nutzlos und haben Schuld- und Schamgefühle. Äusserungen wie «Ich nütze ja sowieso niemandem was.», «Ohne mich ginge alles besser.», «Was ich auch anfange, es kommt schief raus.», «Es ist alles meine Schuld.» können für solche Gefühle und Gedanken stehen.
  • Riskantes Verhalten 
    Zunehmend riskantes Verhalten: z.B. erhöhter Konsum von Alkohol oder anderen Suchtmitteln, gefährliche Freizeitaktivitäten, ungeschützter Geschlechtsverkehr, unvorsichtiges Fahren. Selbstschädigendes Verhalten wie Ritzen, Brennen, Haare ausreissen usw. weist in der Regel nicht auf eine Suizidabsicht hin, es sei denn, die Verletzungen seien die direkte Folge eines Suizidversuches.
  • Veränderungen im Verhalten
    Extreme Stimmungsschwankungen, Persönlichkeitsveränderungen (z.B. von angepasst zu rebellisch oder von gesprächsfreudig/offen zu zurückhaltend/still).
  • Körperliche Veränderungen 
    Vernachlässigung der Pflege des Äusseren und der Körperhygiene (weniger Duschen/Haarewaschen). Veränderte Schlafmuster, Schwächegefühle, verminderter Sexualtrieb sowie verändertes Essverhalten und Körpergewicht.
  • Plötzliche Ruhe und Gelöstheit 
    Wenn jemand nach einer Phase von grosser Niedergeschlagenheit und Leiden plötzlich ganz ruhig, zufrieden und gelöst wirkt, kann dies ein Zeichen dafür sein, dass sich die Person dafür entschieden hat, sich das Leben zu nehmen. 

Warnzeichen ernst nehmen und reagieren

Reagieren Sie, wenn Sie bei einer Person in Ihrem Umfeld Warnzeichen für Suizid wahrnehmen. Erster und wichtigster Schritt ist, der Person, um die Sie sich sorgen, ein Gespräch anzubieten. Unter Gesprächstipps finden Sie Hinweise, was Sie dabei beachten müssen. Unter Was ich tun kann finden Sie weitere Unterstützungsmöglichkeiten. 

Fehlende Warnzeichen bei Jugendlichen

Im Kanton Zürich sterben 3 bis 5 Jugendliche pro Jahr an den Folgen eines Suizids. Man vermutet, dass die Anzahl Suizidversuche bei Jugendlichen um ein Vielfaches höher ist. Gerade bei dieser Altersgruppe sind für Aussenstehende oft keine Warnzeichen wahrnehmbar, denn Jugendliche handeln impulsiver als Erwachsene. Ihre Suizidversuche sind häufig Kurzschlusshandlungen aufgrund aktueller Krisen (Trennung, schlechte Noten ...). Wenn Sie sich um eine Jugendliche/einen Jugendlichen sorgen und befürchten, auch Suizidgedanken oder -versuche könnten ein Thema sein, so sprechen Sie dies sofort an und lassen Sie sich von Fachleuten beraten (Adressen). 

Lesen Sie weiter:

Zwei Herren sitzen auf einem Bootssteg am See

Woher Suizidgedanken kommen

Mehr erfahren
Freundinnen auf Bank reden

Was Sie tun können

Das hilft

Top